Der Jahrespreis sagt wenig, solange die Abrechnungslogik unklar ist. Drei Fälle aus der Praxis, jeweils über drei Jahre gerechnet.
Eine Marke, drei Klassen, DACH plus EU
Der klassische Gründungsfall. Bei Abrechnung pro Klasse und Land stehen drei Klassen mal vier Register im Raum – aus einem Grundpreis von 40 € werden so schnell 300 € und mehr im Jahr. Bei pauschaler Abrechnung pro Marke bleibt es bei 25 €/Jahr, unabhängig davon, ob die Marke in einer oder in zehn Klassen eingetragen ist. Über drei Jahre: 75 € gegenüber rund 900 €.
Zwanzig Marken einer Unternehmensgruppe
Sobald Zweitmarken, Produktlinien und eine Dachmarke nebeneinander laufen, entscheidet die Staffelung. bis 20 Marken kosten pauschal 49 €/Monat (588 € für 12 Monate), also 29,40 € je Marke und Jahr. Dienste, die jede Marke einzeln abrechnen, kommen bei denselben zwanzig Zeichen auf einen fünfstelligen Betrag. Der Unterschied wächst mit jeder weiteren Anmeldung.
Kanzlei- oder Agenturbestand ab 50 Marken
Hier kippt die Rechnung endgültig: 99 €/Monat (1.188 € für 12 Monate) decken bis 50 Marken — das sind 23,76 € je Marke und Jahr. Überwachungsdienste und Kanzleien im DACH-Raum rechnen dagegen pro Marke ab und liegen zwischen 179 und 699 € netto im Jahr. Entscheidend ist an dieser Stelle aber selten der Preis, sondern der Aufwand pro Treffer – wer fünfzig Marken täglich prüfen lässt, bekommt entsprechend viele Meldungen und braucht einen Ähnlichkeitswert je Treffer und einen Filter nach Nizza-Klassen.
Was im Preis enthalten sein sollte
- Alle Nizza-Klassen der Marke – eine Klassenstaffel verteuert genau die Marken, die breit aufgestellt sind.
- 5 Markenregister – DPMA, EUIPO, Österreich, Schweiz und WIPO. Wer im DACH-Raum verkauft, braucht mehr als das Heimatregister.
- Tägliche Abfrage statt Monatslauf – die Widerspruchsfrist läuft drei Monate ab Veröffentlichung. Ein Monatsrhythmus verbrennt davon bis zu ein Drittel.
- Ein Ähnlichkeitsmaß je Treffer – ohne Vorsortierung landet jede Meldung ungeprüft auf dem Schreibtisch, und genau dort entstehen die eigentlichen Kosten.
- Export und Fristenübersicht – ein PDF, das ein Mandant oder eine Kanzlei lesen kann, spart die manuelle Aufbereitung.
Die versteckte Kostenposition: Bearbeitungszeit
In der Praxis ist nicht das Abo der größte Posten, sondern die Zeit, die jede Meldung kostet. Wer selbst überwacht, rechnet mit rund einer Stunde pro Register und Monat für Abfrage, Sichtung und Ablage – der Weg dorthin steht im Detail unter Marke selbst überwachen. Bei einem internen Stundensatz von 60 € übersteigt allein diese Zeit den Jahrespreis einer automatisierten Überwachung bereits im ersten Monat.
Wann sich der teurere Weg lohnt
Eine Kanzlei-Überwachung kostet mehr, weil sie eine Leistung enthält, die ein Tool nicht erbringt: die Bewertung des Einzelfalls und die Vertretung im Verfahren. Für Portfolios mit laufenden Widersprüchen, Lizenzverträgen oder internationalen Erstreckungen ist das die richtige Wahl. Für die Frage „ist etwas Neues aufgetaucht, das meiner Marke nahekommt" reicht die automatisierte Ebene – und lässt Budget für den Fall übrig, in dem es tatsächlich um etwas geht. Was eine anwaltliche Begleitung kostet, steht im Ratgeber Markenanwalt Kosten.